Wer durch einen Wiener Marktstand schlendert oder im Burgenland eine Speisekarte liest, stößt früher oder später auf ein Wort, das es in dieser Form nur in Österreich gibt: Paradeiser. Gemeint ist damit schlicht die Tomate, doch hinter der Bezeichnung steckt mehr als eine regionale Marotte. Sie erzählt von der Geschichte eines Gemüses, das aus Südamerika über das Paradies seinen Weg auf österreichische Teller fand, und sie spiegelt eine Landwirtschaft, die sich mitten im Wandel befindet.
Kurzzusammenfassung
- Paradeiser ist die in weiten Teilen Österreichs übliche Bezeichnung für die Tomate und wird vor allem in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Teilen der Steiermark verwendet.
- 2025 wurden in Österreich rund 57.500 Tonnen Tomaten auf etwa 192 Hektar geerntet, mehr als doppelt so viel wie vor 20 Jahren.
- Das Burgenland ist mit 61 Hektar und knapp 18.000 Tonnen Ernte das wichtigste Anbaugebiet und stellt den Großteil der heimischen Freilandfläche.
- Die Saison 2026 stand unter dem Eindruck von Hitze und Trockenheit, eine abschließende Erntebilanz lag bis Mitte Oktober noch nicht vor.
Der folgende Überblick zeigt, woher der Begriff kommt, wo in Österreich er heute noch gebraucht wird und wie sich der heimische Anbau in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.
Woher der Begriff Paradeiser kommt
Der Name leitet sich von der Vorstellung ab, die Frucht stamme aus dem Garten Eden, dem Paradies. Diese Idee verbreitete sich im 18. und 19. Jahrhundert in mehreren europäischen Sprachen und hat sich im österreichischen Deutsch bis heute gehalten, während sich in Deutschland die Bezeichnung Tomate durchgesetzt hat, die über das Spanische auf ein Wort der Nahuatl-Sprache Mittelamerikas zurückgeht. Beide Begriffe beschreiben botanisch dieselbe Pflanze, Solanum lycopersicum, nur die sprachliche Herkunft unterscheidet sich.
Interessant ist, dass sich diese Doppelbezeichnung innerhalb Österreichs nicht einheitlich verteilt. Während Paradeiser in Wien, Niederösterreich, im Burgenland und in Teilen der Steiermark fest zum Alltagswortschatz gehört, greifen Menschen in Tirol, Vorarlberg und Teilen Salzburgs häufiger zum Wort Tomate. Diese West-Ost-Grenze verläuft nicht zufällig, sondern folgt älteren Sprachräumen und Handelswegen, über die unterschiedliche Begriffe ins Land kamen.
Paradeiser im österreichischen Sprachgebrauch heute
Trotz der regionalen Unterschiede ist Paradeiser kein aussterbender Dialektausdruck, sondern ein fester Bestandteil der österreichischen Standardsprache, der auch auf Speisekarten, in Supermärkten und in offiziellen landwirtschaftlichen Statistiken verwendet wird. Gerichte wie die Paradeissuppe oder das Paradeiserfleisch gehören zum klassischen Repertoire der österreichischen Küche und tragen den Begriff selbstverständlich im Namen. Wer in Wien ein Lokal betritt und nach einer Tomatensuppe fragt, wird verstanden, doch die Speisekarte wird in aller Regel von Paradeissuppe sprechen.
Für Reisende ist das ein kleines, aber charmantes Beispiel dafür, wie viel sprachliche Vielfalt selbst innerhalb eines kleinen Landes stecken kann. Ein Blick auf die Speisekarte verrät mitunter mehr über die regionale Herkunft eines Lokals als der Ort selbst.
Der Anbau in Zahlen: Wo in Österreich Paradeiser wachsen
Hinter dem Wort steckt eine ernsthafte landwirtschaftliche Branche. 2025 wurden in Österreich auf rund 192 Hektar etwa 57.500 Tonnen Tomaten geerntet, mehr als doppelt so viel wie noch vor 20 Jahren. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen im Burgenland, in Wien, Niederösterreich und der Steiermark, wobei das Burgenland die mit Abstand größte Rolle spielt.
| Region | Fläche 2025 | Anteil an Österreich |
|---|---|---|
| Burgenland gesamt | 61 Hektar | 32 Prozent |
| davon Gewächshaus/Folientunnel | 51 Hektar | – |
| davon Freiland | 10 Hektar | 71 Prozent der Freilandfläche Österreichs |
Im Burgenland selbst wurden 2025 rund 17.950 Tonnen Paradeiser geerntet, ein beachtlicher Anteil der gesamtösterreichischen Menge. Damit ist das Bundesland nicht nur sprachlich, sondern auch wirtschaftlich das Zentrum des heimischen Paradeiseranbaus.
Vom Freiland ins Glashaus: Ein langer Strukturwandel
Wer heute über einen burgenländischen oder niederösterreichischen Bauernhof spaziert, sieht meist Gewächshäuser und Folientunnel, kaum noch offene Felder voller Tomatenstauden. Das war nicht immer so. 1995 lag die Freilandfläche für Tomaten in Österreich noch bei rund 59 Hektar, 2025 waren es nur noch etwa 14 Hektar. Der Anbau hat sich in den vergangenen 30 Jahren spürbar in geschützte Kulturen verlagert.
Dieser Wandel hat mehrere Gründe: Gewächshäuser ermöglichen eine längere Saison, gleichmäßigere Erträge und einen gewissen Schutz vor Witterungsextremen, die in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Für Betriebe bedeutet das höhere Investitionskosten, aber auch mehr Planungssicherheit. Spaziert man heute durch die Anbaugebiete im Burgenland, prägen die charakteristischen Folientunnel das Landschaftsbild entlang der Felder, ein stiller Hinweis darauf, wie sehr sich die Landwirtschaft hier in wenigen Jahrzehnten verändert hat.
Die Saison 2026: Hitze als Belastungsprobe
Die laufende Saison 2026 war von anhaltender Hitze und Trockenheit geprägt, zwei Faktoren, die dem Paradeiseranbau erheblich zusetzen können. Zu viel Hitze führt bei Tomatenpflanzen zu Blütenabwurf und erschwert die Fruchtbildung, während Trockenheit den Bewässerungsbedarf deutlich erhöht, selbst in geschützten Kulturen. Eine abschließende Beurteilung der Auswirkungen auf die Erntemenge lag bis Mitte Oktober 2026 noch nicht vor, ebenso fehlten belastbare österreichweite Zahlen zu Preisen oder Marktverfügbarkeit für dieses Jahr.
Für Reisende, die im Spätsommer oder Herbst durch Österreich fahren und auf heimische Paradeiser hoffen, lohnt sich daher ein Blick auf lokale Bauernmärkte vor Ort. Dort zeigt sich am ehesten, wie gut eine Region mit den klimatischen Herausforderungen des Jahres zurechtgekommen ist.
Paradeiser erleben: Märkte, Lokale und Kulinarik
Für Urlauberinnen und Urlauber ist der Paradeiser weit mehr als ein sprachliches Kuriosum, er ist ein kulinarisches Aushängeschild. Auf dem Wiener Naschmarkt, auf burgenländischen Hofläden oder bei steirischen Produzenten lassen sich regionale Sorten direkt verkosten, oft in einer Frische und Vielfalt, die im Supermarktregal selten zu finden ist. Viele Direktvermarkter im Burgenland bieten Hofführungen an, bei denen sich der Weg von der Pflanze bis zum Teller nachvollziehen lässt.
Auch kulinarisch lohnt sich die Begegnung mit dem Paradeiser abseits des Salats: Paradeissuppe mit Knödel, geschmorte Paradeiser als Beilage zu Rindfleisch oder eingekochtes Paradeismark für den Wintervorrat gehören zur bäuerlichen Küchentradition vieler österreichischer Regionen. Wer eine dieser Spezialitäten probiert, bekommt gleichzeitig ein Stück Sprach- und Agrargeschichte serviert.
Häufige Fragen
Ist Paradeiser dasselbe wie Tomate?
Ja, beide Begriffe bezeichnen dieselbe Pflanze und Frucht, Solanum lycopersicum. Paradeiser ist die in Österreich, besonders in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und Teilen der Steiermark gebräuchliche Bezeichnung, während in Tirol, Vorarlberg und Teilen Salzburgs häufiger Tomate verwendet wird.
Warum heißt die Tomate in Österreich Paradeiser?
Der Begriff geht auf die historische Vorstellung zurück, die Frucht stamme aus dem Paradies, dem biblischen Garten Eden. Diese Namensgebung verbreitete sich im 18. und 19. Jahrhundert und hat sich im österreichischen Sprachgebrauch bis heute erhalten, während sich in Deutschland der aus dem Spanischen stammende Begriff Tomate durchsetzte.
Wo in Österreich wird am meisten Paradeiser angebaut?
Das Burgenland ist das mit Abstand wichtigste Anbaugebiet mit rund 61 Hektar Produktionsfläche im Jahr 2025, das entspricht 32 Prozent der österreichischen Gesamtfläche. Weitere relevante Anbaugebiete liegen in Wien, Niederösterreich und der Steiermark.
Werden Paradeiser in Österreich im Freiland oder im Gewächshaus angebaut?
Der überwiegende Teil wächst heute in Gewächshäusern und Folientunneln, während die Freilandfläche in den vergangenen 30 Jahren von rund 59 Hektar im Jahr 1995 auf etwa 14 Hektar im Jahr 2025 geschrumpft ist. Das Burgenland stellt mit rund 71 Prozent dennoch den größten Teil der verbliebenen österreichischen Freilandfläche.
Beitragsbild: KI-generiert

